Aber, es ist wenig zielführend, alle Teilnehmer der Demo in eine Schublade zu stecken und mit der "wisst ihr noch, wie's damals war"-Keule zu kommen. Damit schürt man m.M.n. nur noch mehr Unmut, weil sich die Leute unverstanden fühlen.
Der richtig Schritt wäre (auch nur m.M.n.), berechtigte Kritik als solche rauszufiltern und echte Alternativen zu bieten, statt real existierende Defizite wegzudiskutieren bzw. deren Kritiker pauschal als "dumme Schafe" ins Abseits zu drängen.
Es ist doch selbst hier nicht von der Hand zu weisen, dass jeder relativ zügig in die rechte Ecke gedrängt wird, der sich traut, an der Asylpolitik zu rütteln.
Sorry, mir ist das definitiv zu einfach, hier mit schwarz/weiss-Markern zu hantieren.
Sorry, aber we sich selber in eine Schublande mit der Aufschrift 'Abendland' und 'Islamisierung' steckt, der kann nicht erwarten, daß man sich ihm neutral nähert und genau diese Schlagworte ausspart. Am Ende sind die Rechten ja auch nicht rechts, sie werden nur ständig mißverstanden.
Wer sich von Rechten Hardlineren instrumentalisieren lässt, der barauch auch nicht zu jammern, wenn man ihm gegenüber argwöhnisch ist und wer auch Nazijargon von sich gibt, der ist keineswegs grundsätzlich unverdächtig.
Wenn die Pegida-Demonstranten Toleranz für sich und ihre Demonstrationen fordern, wie tolerant sind diese dann gegenüber den (zahlenmässig wohl dominierenden) Gegendemonstranten? Gestehen sie diesen ihr wohlverdientes Recht,
sich gegen die Pegida zu stellen, auch zu? Sie demonstrieren gegen die Islamisierung und erwarten, daß Muslime dies tolerieren. Die Gegendemonstranten demonstrieren gegen etwas anderes. Das Eine darf man, das Andere aber nicht?
Sorry, aber gerade diejenigen, welche am meisten von Ungleichbehandlung reden, zeigen durch ihre Ablehnung deutlich, daß sie selber keinen Deut besser sind.
Es ist übrigens dummes Zeug, von neuen und schärferen Gesetzen zu erwarten, daß sie die Lage tatsächlich ändern (ausser dass sie in populistischer Manier etwas vortäuschen, was zu leisten sie nicht instande sind). Gesetze sind ausreichen da, man muss sie nur eben anwenden.
Psychologisch ist jedenfals klar, daß Leute, die ständig glauben, (unverschuldeterweise) zu kurz gekommen zu sein, die Schuld gerne anderen zuweisen. Egal, ob es wie damals die Juden sind oder wie heute der Islam. Der islamische Mitbürger von nebenan (soweit es ihn dort gibt) ist jedenfalls nicht an der eigenen Misere schuld.
Wenn Bürger sich von den Politikern missverstanden fühlen, dann sollen sie sich gefälligst an die Politiker wenden und dies nicht auf dem Rücken irgendeiner Religionsgemeinschaft tun. Denn eine tatsächliche Islamisierung findet nicht statt.
Wenn schon die abendländische Kultur in Gefahr ist, dann eher dadurch, daß Deutsch sich inzwischen in weiten Bereichen zur Tabu-Sprache entwickelt (Cerealien statt Getreide), viele Leute ausser SMS fast nicht mehr Schreiben können und dank FaceBook und Co tumbe Mehrheiten gegenüber vernünftigen Denkansätzen den Vorzug geben. Mit einer Islamisierng hat dies freilich überhaupt nichts zu tun, es passt also nicht in deren Feindbild.
Und der Islam selbst? Man greift ihn scharf an, indem man gewisse Suren als Beleg dafür zitiert, wie unmenschlich er doch sei. Ich kann auf Anhieb jederzeit mehrer Dutzend Bibelverse zitieren, welche die Unmenschlichkeit des Christentums aufzeigen (Rache, Sippenhaft, Erbsünde, Geschlechterdiskriminierung um nur einige Punkte zu nennen). Wollen diese Demonstranten das Abendland retten, indem sie den einen Götzen anprangern, sich aber in den Dienst des anderen Götzen stellen? Entweder beide verbieten oder aber beide lassen.
Denn weder hat die christliche Realität etwas mit der Papierform der Bibel zu tun noch der Islam mit der Papierform des Koran. Zumindest nicht mit der Realität hier in Deutschland.
Darum nochmal die Frage: Was sollen die Betroffenen tun, wenn sie von Staat und Politik im Stich gelassen werden? Was würdest du (mal konkret Konradin) tun, wenn du in einer Nachbarschaft leben würdest, wo du den Eindruck hast, Ausländer im eigenen Land zu sein und deine Rechte mit Füssen getreten werden? Umziehen, als Lösung? Und dann? Wieder umziehen?
Schon der Fokus auf Ausländer ist ein Schritt in die falsche Richtung. Entscheidend ist der Umstand, warum man benachteiligt wird (oder glaubt, benachteiligt zu sein).
In einem Gemeindeteil von Cuxhaven gibt es zur Zeit richtig Ärger, weil sich ein Großteil der Einwohner wie Fremde fühlen. Dabei geht es aber nicht um Ausländer, sondern um Touristen oder konkreter ausgedrückt um Ferienwohnungen.
Ferienwohnungen sind genehmigungspflichtig und jahrelang gabe es dort reichlich Wildwuchs. Mittlerweile soviel, daß es konkreten Handlungsbedarf gibt. Lang eingesessene Stadteilbewohner beklagen sich, daß es immer weniger normale Nachbarschaft gäbe. Im Sommer sei alles von Touristen überlaufen und im Winter sei der Stadtteil verwaist.
Anfangs gab es einen Aufschrei nach schärferen Gesetzen, aber man merkte schnell, daß es völlig unsinnig wäre, denn die Gesetze sind ja bereits da. Schliesslich sind Ferienwohnungen grundsätzlich genehmigungspflichtig. Bleibt also die Forderung, daß diese Gesetze auch eingehalten werden und eben nicht jeder Umwandliung eines Eigenheims in eine Ferienwohnung zugestimmt wird. Mietwohnungen sind dort bereits heute absolute Mangelware, denn fast alles, was sich als Mietwohnung nutzen liesse wird bereits als Ferienwohnung angeboten und einige Hausbesitzer haben sich eine Mietwohnung in einem anderren Stadtteil gesucht und finanzieren diese durch die Vermietung ihres Hauses als Ferienwohnung. Der Weggang aus diesem Stadtteil hat inzwischen dramatische Formen angenommen und zahlreiche fast komplette Strassenzüge sind inzwischen einwohnermässig fast verwaist.
Eine Chance, diesen Konflikt zu lösen, hat die Gemeinde letzten Endes nur, wenn sie sich auf die Seite ihrer Bürger schlägt und den Wildwuchs radikal bekämpft. Viele Bürger fragen sich, warum sie dafür bestraft werden, Cuxhavener Bürger zu sein und die Stadt überaltert zunehmend schneller und wird dabei deutlich kleiner. Die einzige Chance auf eine langfristige Verbesserung der Situation besteht darin, Politik für die Bürger der Gemeinde zu machen (und dabei sind Religion, Staatsangehörigkeit usw. völlig egal). Man muss sich konkret entscheiden, wofür man steht.
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Daß gewisse Leute sich dieser Bewegung anschliessen kann ich durchaus verstehen, aber keinesfalls gutheissen. Sie brocken sich (und anderen) eine Suppe ein, die sie dann auch gefälligst mit auszulöffeln haben. Genau in dem Augenblick, in dem sie fordernd auf der Strasse auftauchen und über andere (oder deren Religion) äussern, haben sie die Gelegenheit, sich glaubwürdig zu verhalten oder stattdessen diese zu verspielen.
Ich respektiere es allerdings nicht, wenn sie einseitig Toleranz für ihre Ängste forden, den Ängsten anderer gegenüber aber blind und intolerant sind. Entweder gegenseitig - oder überhaupt nicht.