Unrechtsstaat DDR ? Diskussion 

Jedenfalls habe ich nach der 'Wiedervereinigung' bei der Post gearbeitet und weil sie dort verfügbar war, die Börsenzeitung gelesen, die sich ja nicht gerade durch kommunistische oder sozialistische Propaganda ausgezeichnet hat.

Interessant, daß nach deren Meinung weit mehr als 85% der Gelder, welche (meist zwecks Strukturverbesserungen) in den Osten flossen, letzten Endes bei Westfirmen landeten. Auch die meisten Grundstücke hatten keinen Wert (sie waren ja staatlich) und als die Grundstückspreise in den Metropolen teilweise gewaltig anzogen, wem gehörten denn diese Grundstücke in der Überzahl? Staatlich waren sie dann jedenfall längst nicht mehr.

So wurden Milliardensummen via 'Ossiland' in den Westen transferiert. Und der Ausbau geschah wohl kaum aus purer Mildtätigkeit, denn die waren der Schlüssel zur 'Osterweiterung' der Deutschen Bank und ihrer Konsorten in Polen und Regionen weiter östlich davon.
 
Natürlich floss der Großteil der Aufbau Ost Milliarden, direkt wieder in den Westen zurück. Und die viel zitierten neuen Straßen und Autobahnen im Osten, wurden auch nur gebaut, um so die vielen Güter schneller von West nach Ost bringen zu können. In den Provinzen sieht das mit neuen Straßen und umfangreicher Sanierung schon anders aus.
 
Bisschen viel Text. Für mich als „Neudeutschen“ (besser: Passdeutschen) interessant, zu lesen, wie sich der – in diesem Fall deutsche – Untertan immer wieder von den Machthabern betrügen und ausrauben lässt. Sollte aber auch für Eingeborene, die mehr als nur Stammtischparolen von sich geben wollen – mindestens – interessant sein.

Henry277 schrieb:
Natürlich floss der Großteil der Aufbau Ost Milliarden, direkt wieder in den Westen zurück. Und die viel zitierten neuen Straßen und Autobahnen im Osten, wurden auch nur gebaut, um so die vielen Güter schneller von West nach Ost bringen zu können[...]
Natürlich auch, um das – zahlreich vorhandenen Produktionsvermögen – vom Osten nach Westen zu transportieren (und damit die unliebsame Ostkonkurrenz auszuschalten).

Worüber immer noch vollmundig schwadroniert und kräftig gelogen wird, ist die „Abwicklung“ der DDR und des dort vorhandenen Vermögens. Dazu nur eine (winzig kleine) Auswahl:

„"Ich wollte nicht jede halbe Stunde irgendeine Milliarde unterschreiben und dann zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen." Genau dies praktizierte dann aber sein Nachfolger Detlev Karsten Rohwedder. [...]Rohwedder setzte sich nonchalant über das Treuhandgesetz vom Juni 1990 hinweg, das vorsah, dass die großen DDR-Kombinate in private branchenbezogene Aktiengesellschaften überführt werden sollten. Damit einher ging, dass Betriebsräte und Gewerkschaften, Kommunen und Länder kein Mitspracherecht hatten.“
DDR: Treuhand-Anstalt - Ausverkauf der Republik - Politik - Süddeutsche.de

Korruption während der Abwicklung durch die Treuhand:

„Manche florierende Unternehmen hätten auf eigene Faust Investoren suchen können. Dies war aber unmöglich; die Rechtslage war zu unsicher.“
Im Grunde genommen war die Okkupation der DDR ein einziger Skandal:
„Hunderte Mitarbeiter aus dem Westen wurden angeheuert. Wer kurz zuvor noch wegen Unfähigkeit entlassen wurde: Bei der Treuhand fand er ein gutes Auskommen. Je zügiger sie verkauften, desto höhere Provisionen erhielten die Treuhandagenten.“
„Der Ausverkauf des ostdeutschen Volksvermögens wurde ein Dorado für Glücksritter. Jeder dahergelaufene Mann im Anzug konnte, ohne dass seine Seriosität und Bonität ausreichend geprüft worden wären, ein DDR-Unternehmen erwerben. Weil die Treuhand häufig nicht ordentlich prüfte, kam es zu Betrügereien im großen Stil.
Ein lukratives Rezept sah so aus: Man kaufte ein Unternehmen, strich die Subventionen ein, verkaufte die Immobilien, ließ die Firma in Konkurs gehen und sah zu, dass man irgendwo im Ausland verschwand, bevor die Staatsanwaltschaft alarmiert wurde.
Man konnte auch vorgehen wie Friedrich Hennemann, ehemals Chef der Bremer Vulkan-Werft: Der kaufte ostdeutsche Werften, steckte 854 Millionen Mark Subventionen, die für den Erhalt der ostdeutschen Arbeitsplätze gedacht waren, in seine Pleiteunternehmungen im Westen und wurde am Ende vor Gericht sogar freigesprochen.“


Karl Marx hatte Recht:
Warum? Na, Marx hat doch gesagt, dass die Revolution zur völligen Umwälzung der Besitzverhältnisse führt. Die Ereignisse 1989 waren natürlich eine Revolution.

„In Friedrich Dürrenmatts Stück "Romulus der Große" sagt einer: "Wir müssen zwischen einem katastrophalen Kapitalismus und einer kapitalen Katastrophe wählen." Die Arbeit der Treuhand hat beides zugleich zuwege gebracht.“
DDR: Treuhand-Anstalt - Katastrophaler Kapitalismus, kapitale Katastrophe - Politik - Süddeutsche.de

Birgit Breuel „übernimmt“ die DDR-Abwicklung. In diesem Zusammenhang nicht ganz uninteressant:

„An dem Ostermontag 1991 wurde der Bevölkerung klar gemacht, dass mal wieder ein RAF-Terrorist, vom Schlage eines James Bond, aus einer Entfernung von 65 m, im Dunkeln, von unten nach oben, einen gezielten tödlichen Gewehrschuss durch dichtes Zweigwerk auf Rohwedder abgab und damit den Weg ebnete für Birgit Breuel. Im Interesse der internationalen Investmentbanken von Goldman Sachs, Warburg, J. P. Morgan usw. wurde das unrühmliche Kapitel „Treuhand“ und der Ausverkauf Ostdeutschlands durch Birgit Breuel geschrieben.“
https://derhonigmannsagt.wordpress.com/tag/birgit-breuel/

„In Kooperation mit dem Verein der Freunde der Jugendinitiative Weltausstellung Expo 2000 organisiert die Atlantik-Brücke ferner die internationale Jugendpropaganda für die Selbstbeweihräucherung des kannibalischen Turbokapitalismus. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn Expo-Managerin Birgit Breuel, als Treuhand-Chefin ins Zwielicht geraten durch die an Regierungskriminalität grenzenden Vorgänge bei der Verschleuderung des DDR-Volkseigentums an das internationale Großkapital, ist langjähriges Vereinsmitglied. Ihr Logenbruder Otto Gellert besaß zu Treuhand-Zeiten zu allem Überfluß die direkte Zuständigkeit für die Privatisierungen. Bezeichnenderweise ist die Rolle von Breuel und Gellert bzw. des US-Investment-Bankhauses Goldman Sachs während der Privatisierung von Leuna-Werken und Minol AG kein Thema für den Untersuchungsausschuß des Bundestages. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“
Atlantik-Brücke

Auch sehr lesenswert zum Thema:

„Anschließen, angleichen, abwickeln. Die westdeutschen Planungen zur Übernahme der DDR 1952-1990"
Karl Heinz Roth
Konkret Literatur Verlag, 2000
ISBN: 9783930786275
 
- Matthew - schrieb:
Nö? Na dann zieh mal die Telefonschnur aus der Telefonsteckdose, vielleicht kommst du dann drauf, um mal ein ganz kleines Beispiel zu nennen. ;)

... oder warte freiwillig 10 jahre auf ein Auto oder verzichte auf ein dringend benötigtes West-Medikament ;) ... wenn man nicht der Wandlitz-Kaste angehört hat
 
... oder [...] verzichte auf ein dringend benötigtes West-Medikament[...]
Nomen est omen? Ganz bestimmt kannst Du hier „ein dringend benötigtes West-Medikament“ nennen (andernfalls könnte man ja auf die Idee kommen, es wieder mit dem Nachplappern den von den Gauck-Birthler-Jahn-Behörden verbreiteten Propaganda-Lügen zu tun zu haben.

Obermedizinalrat Prof. Dr. sc. med. Herbert Kreibich

"Das Gesundheitswesen in der DDR war und bleibt in vielen seiner Facetten international hoch anerkannt und national bis in die Gegenwart vorbildlich, dies kann ich auch als langjährig tätiger Ständiger Berater (Permanent Panel Member) des Hauptquartiers der Weltgesundheitsorganisation in Genf bestätigen. Diese Vorbildfunktion besteht insbesondere mit den Polikliniken, dem Hausarzt-System, dem Betriebs-Gesundheitswesen, dem Mutter-Kinder- und Jugend-Gesundheitsschutz, dem Impfwesen, der Dipensaire-Betreuung chronisch Kranker mit Tbc und anderen Lungenkrankheiten, mit Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten, mit Herz-Kreislauf-Krankheiten und mit Krebs-Erkrankungen, einschließlich vorbildlichem Krebsregister, sowie mit der Lebensmittelhygiene, mit der Rehabilitation psychisch Schwer- und physisch Schwerstgeschädigter sowie mit der Aus-, Weiter- und Fortbildung der Ärzte und der medizinischen Fachschulkräfte."
Gesundheitswesen der DDR - Betrachtungen im Abstand von 20 Jahren 60 Jahre DDR Kolloquium der GBM am 12.Juni 2009

Weiter:
Das Gesundheitswesen in der DDR - Sascha's Welt
Medizinische Versorgung | Medizin | Wissenschaft | DDR | Zeitklicks
Gesundheit DDR | Planet der Dokumentationskanal

Was allerdings geflissentlich (wollentlich?) übersehen bzw. unterschlagen wird, dass gerade Ärzte – die in der DDR auf Kosten der Allgemeinheit hervorragend ausgebildet wurden – besonderes Ziel von Abwerbung (in die BRD) waren. Zu meinem Bekanntenkreis gehören einige Ärzte/Professoren, denen viel Geld für ihre „Flucht“ geboten wurde.

Nebenbei: Ich gehöre in der BRD zu den privilegierten Privatversicherten. Vieles von dem, was auf Grund meines Alters und meines – immer noch ausgeübten – Berufes an „Reparaturarbeiten“ notwendig ist, könnte sich ein Normalverdienender nicht leisten.

Interessant zu lesen in diesem Zusammenhang (auch für BRD-Enthusiasten, die sich - tatsächlich - informieren wollen):

„Weil Du arm bist, musst Du früher sterben: Der ohnmächtige Patient“
Christoph Lohfert
Piper
ISBN: 978-3492053488
 
... oder warte freiwillig 10 jahre auf ein Auto oder verzichte auf ein dringend benötigtes West-Medikament ;) ... wenn man nicht der Wandlitz-Kaste angehört hat

Oder geh mindestens 3 Jahre zur Armee an der innerdeutschen Grenze nur um deinen Traumjob Tierarzt zu verwirklichen und knalle deine Freunde und Verwandte beim Fluchtversuch ab.
 
Oder geh mindestens 3 Jahre zur Armee an der innerdeutschen Grenze nur um deinen Traumjob Tierarzt zu verwirklichen und knalle deine Freunde und Verwandte beim Fluchtversuch ab.
Ja klar, deine komplette Verwandschaft weiss, wo du gerade herumlungerst, und nutzt diese Gelegenheit geschlossen, um dir ein Tontaubenschiessen zu ermöglichen. Hast du zu viele schlechte Comics gelesen?

Und wie war das hier im Westen damals mit dem Traumberuf Lehrer? 'La Berufsverbot' ist ein italienisches Fremdwort, na, woher stammt es wohl? Ich nehme nicht gerade an, daß sie es aus der DDR stibitzt haben. :depp:
 
[...]um deinen Traumjob Tierarzt zu verwirklichen knalle deine Freunde und Verwandte beim Fluchtversuch ab.
Barbarisch! Das war wirklich Voraussetzung für das Studium der Veterinärmedizin? Muss ich überlesen haben (Du hast sicherlich einen belastbaren Hinweis dafür).

Nebenbei: Wie mir aus Gesprächen bekannt ist, hat keiner der von mir erwähnten „Ost-Mediziner“ einen Militärdienst – wo und in welcher Einheit auch immer – absolviert. Diese Leute sind für mich glaubhaft.
 
Es scheint tatsächlich solche Voraussetzungen gegeben zu sein, in wie weit und welche Studien davon betroffen war, kann man daraus nicht erkennen.
Jedenfalls scheint aber so, dass die margot die Hosen getragen hatte . :D

1970 gibt das Volksbildungsministerium unter*Margot Honecker*eine Order heraus: Wer nicht bereit sei, sein Vaterland mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, sei es auch nicht wert, in der DDR zu studieren. Die Weisung gilt zeitweilig sogar für das Theologiestudium an den staatlichen Sektionen für Theologie. In den 1970er und 1980er Jahren wird der Druck auf Studenten und Abiturienten beträchtlich erhöht: Sie sollen sich möglichst für drei beziehungsweise zehn Jahre verpflichten – oder gleich als Berufsoffizier. Studienbewerber, die sich für einen längeren Wehrdienst entscheiden, haben gute Karten bei der Studienplatzvergabe.
Quelle: http://www.jugendopposition.de/index.php?id=2889
 
[...]welche Studien davon betroffen war, kann man daraus nicht erkennen.
Jedenfalls scheint aber so, dass die margot die Hosen getragen hatte .[...]
Tja, auch meine Frau hat (meistens) Hosen an ...

Davon abgesehen:

Man mag zum Kriegsdienst stehen wie man will (auch in der BRD bezeichnete man Kriegsdienstverweigerer – bewusst – fälschlicher Weise als „Wehrdienstverweigerer“), was ich auf der von Dir verlinkten Seite lese, lässt sich durchaus mit den Verhältnissen in der (damaligen) BRD vergleichen (zugegeben: Dort hatte keine „margot die Hosen getragen“). Auch dort kamen Totalverweigerer (z. B. Zeugen Jehova) - oft mehrmals in Folge - ins Gefängnis.

Wer sich also der Ausbildung zum Kriegsdienst durch „Flucht" in die BRD entziehen wollte, konnte durchaus vom Regen in die Traufe gelangen.

Wenn auch manches dem politischen Ziel des Verfassers untergeordnet scheint, doch insgesamt – man beachte die zeitliche Abfolge) lesenswert:
Kriegsdienstverweigerung in Deutschland ? Wikipedia

Dazu auch:
Kriegsdienstverweigerung oder gilt noch das Grundgesetz?
Heinz Liepman
Rowohlt, 1969
ASIN: B0088Q3PF0
 
Wobei ich mir jetzt die Frage stelle, was die Armee mit z.B. vielen tausenden Ärzten angefangen hätte? Die Dienstzeit eines DDR Offiziers betrug immerhin 25 Jahre. In 25 Jahren studieren ab zig tausend Männer, die dann alle an die Armee gebunden wären. Ich kann mich nicht daran erinnern, das z.B. im DDR Gesundheitswesen nur Frauen tätig waren, weil die Männer alle als Offiziere Dienst taten.
Das auch Studenten ihren Wehrdienst ableisten sollten, das ist wahr und nichts weiter sagt diese Weisung von 1970 aus. Ich weiß aus eigener Erfahrung, das es zumindest in den 80iger Jahren, sogar einen verkürzten Wehrdienst von nur 9 Monaten (normal 18), für angehende Studenten gab.
 
Die Dienstzeit eines DDR Offiziers betrug immerhin 25 Jahre.
OAZ --> Offizier auf Zeit (4 Jahre), so hießen die (oder zumindest ein paar davon) die Medizin studieren wollten ;)
Ich hatte während meiner Reservezeit auch 2 davon als Vorgesetzte
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Nebenbei: Wie mir aus Gesprächen bekannt ist, hat keiner der von mir erwähnten „Ost-Mediziner“ einen Militärdienst – wo und in welcher Einheit auch immer – absolviert.

@StaryWojownik

Das Volksbildungsministerium hatte 1970 verlauten lassen, wer nicht bereit sei, sein Vaterland mit der Waffe zu verteidigen, sei es auch nicht wert, in der DDR zu studieren. Wer sich sogar für drei Jahre oder länger verpflichtete, wurde bei der Studienplatzvergabe bevorzugt. Da in den 80er-Jahren der Bedarf an qualifiziertem Führungspersonal in der NVA stieg, sollten Wehrbeauftragte in den Schulen Überzeugungsarbeit leisten. Sie stellten den jungen Männern eine berufliche Karriere oder Stipendien in Aussicht. Ziel war es, jeden zweiten bis dritten als Unteroffizier auf Zeit zu gewinnen. Diese Umstände bei der Verpflichtung zum Wehrdienst übten einen enormen Druck auf die Jugendlichen aus.

Quelle: MDR.de

Diese Leute sind für mich glaubhaft.

Waren es denn überhaupt Mediziner ? :D Na dann glaub weiter dran...
 
Hätte ja sein können das es so eine Kombination aus Studium und Wehrdienst gewesen wäre. Es gibt ja auch Leute die bei der Armee bzw. in ihrer Dienstzeit studieren.
 
hoku schrieb:
"Vielleicht sollte man erst einmal klären was ein Unrechtsstaat überhaupt ist? " … keine feste Definition von "Unrechtsstaat" gibt.



Was ist ein Unrechtsstaat?
Der Preuße Peter Reichensperger (1810–1892) gilt lt. Wikipedia als der Erfinder dieses Begriffes!

„Ich denke, der Rechtsstaat besteht darin, dass der Obrigkeit das Schwert zum Schrecken der Bösen anvertraut ist, und zum Schutze derer, die in ihrem Recht sind, ihr Recht üben; einen Unrechtsstaat würde man dagegen meines Erachtens denjenigen zu nennen haben, welcher die Unruhestifter schützen und diejenigen bedrohen wollte, die in ihrem Rechte sind.“

Dies sollen seine Worte sein.

Meine Meinung als sogenannter Westdeutscher, sollte ich eigentlich nicht kundtun, denn eine Meinung sollte man sich ja erst dann bilden wenn man beide Seiten kennt. Da mich dieser Begriff genauso nervt wie Hoku, gebe ich aber doch mein Statement ab.

Ich habe auch den Eindruck, genau wie es Konradin in seinen treffenden Ausführungen über unseren Bundespräsidenten geschrieben hat, dass Politiker, Medien und sonstige Personen dieses Wort nur verwenden, um die Mitglieder der Partei „Die Linken“ auf perfide Art und Weise zu quälen. Ich will damit nicht sagen, dass mir diese Partei besonders nahe steht, aber langsam sollte auch mal gut sein.

Aber so war das ja schon immer, das rechte Auge sieht schlechte als das linke.

Auch ich bin der Meinung, dass man mit diesem Begriff denjenigen Leuten, die mit ihrem Leben in der DDR zufrieden und glücklich waren, das Gefühl gibt das Unrecht, das von Staatsorganen der DDR begangen wurde, befürwortet zu haben. Deswegen kann ich beide Seiten verstehen, nämlich die von Henry der sich die DDR nicht schlecht reden lassen will, als auch die Seite von Matthew der die schlechte Seite seines ehemaligen Staates wohl mehr kennengelernt hat als Andere.

So wie Henry und euch Anderen die ihr glücklich und zufrieden in der DDR gelebt habt geht es mir übrigens auch, wenn Deutschland an sich schlecht geredet wird.

Ich für meinen Teil hätte einen zweiten deutschen Staat auch erst mal für besser gefunden als eine überstürzte Wiedervereinigung bei der zu viel falsch gemacht wurde.

Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass diese Diskussion hier auch deutlich zeigt, das Unrecht eine Frage des Blickwinkels ist.
Für Harz IV Empfänger, Obdachlose und Opfer von Gewalt wo alle Behörden weggeschaut haben ist Deutschland ein Unrechtsstaat, obwohl es erst vor kurzem zum beliebtesten Land auserkoren
wurde.
 
Ich für meinen Teil hätte einen zweiten deutschen Staat auch erst mal für besser gefunden als eine überstürzte Wiedervereinigung bei der zu viel falsch gemacht wurde.
Ganz so einfach war das mit den zwei Staaten allerdings nicht, war die DDR schliesslich für die BRD Inland. Zwar mit eigener Staatsform, eigener Regierung, eigenen Gesetzen und eigenem Territorium, sie unterstand also nicht dem Bundsrecht, aber als Inland aus Sicht der BRD war sie z.B. auch Bestandteil der EG (wenn auch nicht administrativ und territorial, wirtschaftlich allerdings schon).

Rein völkerrechtlich war die Bindung an die DDR als höherwertig anzusehen als die Bindung an die NATO, eine an sich nicht gerade unproblematische Situation (die vielen Deutschen allerdings kaum bewusst war).

Eine Wiedervereinigung hat ausschliesslich auf territorialer Ebene stattgefunden und schon die Politik in den Tagen zuvor hat deutlich gezeigt, wie sich allmählich die Ost-Ableger westdeutscher Parteien dort etabliert haben.

Anschliessend gab es westdeutsche Entwicklungshilfe im administrativen Bereich, um möglichst auch noch die Reste einer gewissen Eigenständigkeit gleichzuschalten. Eine umgekehrte Entwicklungshilfe fand allerdings nicht statt, auch wenn es durchaus Bereiche gab, wo sie durchaus wünschenswert gewesen wäre (z.B. beim Gesundheitssystem).

Politisch gesehen war es eine Eingemeindung und wirtschaftlich der erfolgreiche Versuch, sich zahlreiche Ländereien und weitere Werte einzugemeinden (allerdings zugunsten einiger Weniger), über die hohen Kosten zu jammern und sich dies vom Steuerzahler (auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze) mal wieder finanzieren zu lassen.

Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass diese Diskussion hier auch deutlich zeigt, das Unrecht eine Frage des Blickwinkels ist.
Für Harz IV Empfänger, Obdachlose und Opfer von Gewalt wo alle Behörden weggeschaut haben ist Deutschland ein Unrechtsstaat, obwohl es erst vor kurzem zum beliebtesten Land auserkoren
wurde.

Das mit der Beliebtheit ist so eine Sache. Letztendlich steht sie bereits in dem Augenblick fest, indem ich mich entscheide, welche Leute ich dazu befrage und welche besser nicht.

Ich brauche mir nur anschauen, wieviel Gegenwind die US-Polik hier in Deutschlande bekommt, und dies mit der aktuellen Beliebtheitsskala zu vergleichen. Man glaubt da fast, die Ergebnisse kommen von einem anderen Stern.
 
ich hab mir NICHT die mühe gemacht alle seiten zu lesen ...
die frage nach unrechtsstaat kann man ewig auszudiskutieren ... ein ergebnis wird man nie bekommen.
ich jedenfalls betrachte zumindest die ddr als unrechtsstaat, sie hat freiheitsberaubung in masse betrieben, dafür menschenleben in kauf genommen und die würde des menschen völlig ignoriert ...
ich hab mit der ddr auch nichts am hut, durfte aber immer die senilen fragen beantworten wie "wieviel personen fahren mit" usw., dumm, sümmer ging es nicht, schikane hoch drei ... nur das deren ego gegenüber dem klassenfeind hoch gehalten wird.
die helden der detuschen vereinigung sind die, die damals zu hunderttausenden in aller regelmäßigkeit auf die strasse gingen "wir sind das volk" ...
der rest, ob es einen nun besser oder schlechter ging ... keine ahnung ... nur von hörensagen wurde in der ddr so ziemlich alles subventioniert und vom wem auch immer, gesponsort ....
achso ,,, ich wohnte in der ummauerten "zone" des klassenfeindes und wohne dort immer noch :D
 
@ wegomyway
auch wenn wir uns hier in der Plauderecke befinden wäre es schon ratsam, sich etwas intensiver ins Bild zu setzen, wenn man an einer Diskussion teilnehmen will (es sei denn, man plant nur einen kurzen "Aufschrei" ;) )

Dazu gehört m.E., dass man das bisher Erörterte zumindest mal quer liest oder überfliegt, auch (oder gerade) wenn es schon 3 Seiten sind. Dann hättest du sicher erkannt, wegomyway, dass deine oberflächlichen Rundumschläge über Unrechtsstaat, Freiheit und Menschenleben weiter oben schon weitaus fundierter und substanzieller diskutiert worden sind.

Am Rande muss ich auch gestehen, dass ich aus dem Teil mit den "senilen fragen" nicht ganz schlau geworden bin (ebensowenig wie aus deiner Signatur ...)
 
Nur so ganz nebenbei, rein interessehalber, was sind eigentlich 'senile Fragen'?
 
@ wegomyway
Auch wenn ich einiges von deinem Beitrag nicht verstehe, hier zwei Sätze dazu:

Ich verstehe das so, die einen (der Rest) wurden subventioniert und denen ging es gut, die anderen gingen auf die Straße und riefen "Wir sind das Volk"! Das habe nicht so in Erinnerung. Die Demos wurden hauptsächlich von gebildeten Leuten initiiert, später als sich das ausbreitete auch von der Mittelschicht unterstützt, also Menschen denen es meistens gut ging! Diejenigen die Reisefreiheit und Bananen riefen, die kamen erst ganz zum Schluß dazu.

Und gesponsert wurde nicht so ziemlich alles, sondern nur was man zu Leben braucht, z.B. Grundnahrungsmittel, Mieten, Energie, öffentl. Verkehrsmittel u.s.w.. Dafür waren Luxusgüter extrem teuer, aber das konnte ja jeder selbst entscheiden, ob er das braucht. Mir kam es damals nicht komisch vor, ab und zu mal für eine Flasche schottischen Whiskey eine Monatsmiete auf den Tisch zu legen. So eine Disskusion "Armut in Deutschland" hätte es jedenfalls nicht gegeben.
 
Zurück
Oben Unten