freefloating schrieb:
Die Tatsache, dass du die Bibel mit Hitlers "Mein Kampf" vergleichst, macht schon etwas nachdenklich...
Falsch, ein inhaltlicher Vergleich fand nicht statt. Ich wollte nur aufzeigen, welche breite Spanne eine zuvor getätigte Aussage hat bis hin zu den Extremen. Es liegt nicht an mir, dies zu bewerten.
Im Gegensatz zu dir sehe ich mehrer rote Fäden, welche nach meinem Empfinden zeitgleich nicht realisierbar sind. Die Auge um Auge, Zahn um Zahn-Ideologie des Alten Testaments, die Kollektivschuld und die Erbsünde sind in meinen Augen nicht vereinbar mit dem neutestamentlichen Gebot der Nächstenliebe.
Den Thread habe ich übrigens nicht offengehalten, um meine bescheidene Meinung hier einzubringen, sondern weil ich glaubte, der Bedarf am Thema selbst sei hoch. Die Tatsache, daß dies Post #1241 ist, bestätigt meine diesbezügliche Intention als erfüllt, der Bedarf ist vja offensichtlich da.
Hin und wieder lasse ich es mir nicht nehmen, mich auch zu diesem Thema zu äußern, wenn auch gelegentlich zu Teilaspekten, so auch hier zu Fragen des Kanons. Gegenwind fürchte ich sowieso nicht, schließlich bin ich kein Missionar. Aber wenn ich das Gefühl habe, mißverstandfen zu werden, dann muß ich auch gelegentlich nachlegen und die Aussagen präzisieren oder auch korrigieren.
Dieser hatte keineswegs jahrhundertelang den gleichen Umfang und er erstreckte sich auch nicht allein über die Auswahl der beteiligten Schriften. Jede einzelne Parallele und jeder einzelne Bezug war ausdrücklich im Kanon erfasst, wenn er zulässig sein durfte. Knallhart ausgedrückt hieß dies: wenn an zwei Bibelstellen genau das gleiche stand, dann durften diese beiden Fundstellen in keinen Bezug zueinander gesetzt werden, wenn dieser bezug nicht rexplizit im Kanon erwähnt war. Nicht die Einsichtigkeit durch den menschlichen Verstand und ebensowenig die Logik bestimmten den Umgang damit, sondern ausschließlich der Kanon (in der jeweils aktuellen Version) war dafür zuständig, was man wie sagen durfte.
Nun, über DAS Thomasevangelium rede ich gar nicht erst, solange ich nicht sicher weiß, welches damit gemeint ist, aber dies ist ein nebensächlicher Punkt, der uns nicht weiterbringt. Entscheinden ist doch eher das, was du als Kernbotschaft ansiehst,
freefloating.
Ich bin der strafende Gott. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich gebe meinen Sohn für die Sünden der Anderen. Der Mensch ist von Anfang an ein Sünder.
Wenn dem so sei, dann ist Gott in meinen Augen der Sünder, der einen sündigen Menschen erschafft und der zumindest mein persönliches Verständnis nicht verdient hat. Die Frage wäre nicht, ob ich an ihn glauben könnte, sondern eher, ob ich ihn nicht mit allen mir gebotenen Möglichkeiten bekämpfen würde. Ich habe nämlich ganz entschieden etwas dagegen, für die Handlungen anderer per Sippenhaft mitbestraft zu werden und schon allein durch meine Existenz 'sündig' zu sein. Genauso sündig, weil ich ein Mensch bin wie ein Jude im Dritten reich schuldig war, ein Jude zu sein.
Wenn ich diesen Faden zuende verfolge (die Inquisition hat diesen Weg zumindest erfolgreich(!) beschritten), dann waren die Nazis dagegen mit ihrer Blut-und-Boden-Ideologie dagegen doch blutige Anfänger. Hexen gehören eben verbrannt. Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Ich bin der gnädige Gott. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst und übe Barmherzigkeit.
In meinen Augen klingt diese Botschaft des neuen Testaments schon ganz anders als der Faden zuvor. Es ist schon so, als wäre es eine ganz andere Ideologie, entschuldige, Religion. Dort kann auch ich mich (zumindest ansatzweise) wiederfinden, aber dies ist im Augenblick nicht der Punkt, um den es geht.
Nun, selbst wenn man die Bibel nur auf die Bücher Moses und die Evangelien zuzüglich der Apostelgeschichte reduzieren würde, dann hätte ich mehr als einen Faden und auch mehr als nur eine Kernaussage in derselben erkannt.
In diesem Sinne, Konradin
P.S. Bevor du es mißverstehst,
freefloating, ich meinte keineswegs, daß du mich bekehren willst. Sondern ich bezog mich z.B. auf den Kanon. Ich lasse mich nicht darauf ein, mir vorschreiben zu lassen, wie ich etwas zu beurteilen habe oder auch nicht und nehme mir das Recht auf eine eigene und auch unabhängige Meinung. Wenn ich in einzelnen Punkten falsch liege, dann kann man mich ja gern korrigieren. Aber ich mache nicht mit, wenn ich nach links schauen muß und nach rechts nicht darf (nicht politisch gemeint). Dies ist mir schlicht und einfach zu autoritär.