incognitous schrieb:
Götter jedenfalls können nicht aus unbelebter Materie entstanden sein und Leben erzeugt haben.
Es steht ja nirgends, daß bereits alles Leben da war und plötzlich irgendein Gott, egal woher er kam, uns geschaffen hat. Wir wären dann sozusagen der Daseinszweck dieses Gottes, quasi seine Rechtfertigung, warum es ihn geben muß. Gäbe es uns nicht, dann gäbe es auch keinen Grund, warum es ihn geben müsse.
Anders ist es natürlich, wenn man von einem globalen Gott ausgeht, der nicht nur uns, sondern das Leben an sich (und alles andere natürlich auch) geschaffen habe. Das Leben selbst ist natürlich zunächst aus unbelebter Materie entstanden, sofern man nicht von einem willkürlichen Schöpfungsakt ausgeht, nach dem es plötzlich einfach da war.
Wenn Gott alles Leben geschaffen haben soll, dann zählt er wohl nicht dazu, sofern er nicht das Kunststück geschafft hat, sich selbst zu erschaffen.
Gott zählt also nicht zur Kohlenstoffchemie. Falls ich mit dieser These falsch liegen sollte, dann korrigiert mich bitte.
Ich sehe das eher dialektisch. Gott erschuf den Menschen nach seinem Ebenbild - und umgekehrt. Was immer Gott sein mag und wie weit sein Anteil an einer tatsächlichen Schöpfung auch sein mag, ein Großteil der Schöpfung läuft meinerseits genau entgegengesetzt ab. Der Mensch schafft sich Gott so, wie er ihn brauchen kann oder präziser, wie er ihn glaubt gebrauchen zu können. Unabhängig davon, wie es ihn geben mag, die überwiegenden Eigenschaften Gottes, auf die wir bauen, sind eher pluralistischer Natur. Sie sind abhängig von Machtinteressen, vom Zeitgeist, von Vereinbarungen und vom persönlichen Glauben.
Fest stehen dürfte jedenfalls, daß zumindest in Bezug auf Wechselwirkungen Gott ein anthropozentrisches Wesen sein dürfte. Der Mensch ist das einzige Lebewesen auf dieser Welt, welches ein religiöses Verhalten zeitigt, gleichgültig ob mit oder ohne Gott. Kein Tier gibt Gott ein Feedback oder lässt sich gar auf Verhaltensänderungen ein, die durch einen gedanklichen Umgang mit Gott geprägt sind. Tiere bilden keine Sekten, leben keine mythischen Rituale aus oder streben gar nach Erlösung oder dem Ewigen Leben.
Nach christlichem Selbstverständnis müssten Tiere eigentlich die besseren Menschen sein. Bei ihnen gibt es keine Erbsünde und auch von Schuld und der Notwendigkeit der Erlösung ist keine Rede. Weder werden Tiere von uns missioniert noch missionieren sie sich untereinander. Offenbar ist Gott so anthropozentrisch ausgelegt, daß er alles andere zwar erschafft, aber es dann sich selbst überlässt. Nur der Mensch macht da die große Ausnahme.
Komisch nur, daß selbst die Völker, die nie etwas von ihm gehört haben, nicht sogleich ausgestorben sind. Für das gesunde Überleben eines Volkes oder einer Volksgruppe ist es offenbar völlig gleichgültig, ob es ihn gibt und ob jemand an ihn glaubt. Das Ende einer Population war meist erst dann in Aussicht, wenn sich z.B. christliche Missionare näherten. Erst dann ging es ihnen an den Kragen.
Was ist eigentlich mit all den Menschen, sie nie von Gott gehört haben? Sie hatten nie eine Wahl, sich in dieser Hinsicht zu entscheiden. Nachträglich missionieren können 'wir' sie jedenfalls nicht. Glücklich, wer ihnen schon damals entronnen ist.
Doch wer schafft was? Sind nicht wir es, die manchmal weit mehr erschaffen, als sie dann glauben können? Wo ist die Schöpfung begraben, etwas zum Teil auch in uns selbst? Ist es nicht der Geist selbst, der letzen Endes etwas erschafft?
Gruß Konradin