Ich werde versuchen, im Einzelnen auf Deine Ausführungen einzugehen …
Skipper01 schrieb:
Deinen Ausführungen nach kann ich davon ausgehen, dass Du junge Leute unterrichtest. Das macht mir direkt ein wenig Angst, wenn ich an die Schüler denke.
Aktuelle Statistik:
47 Kinder im Alter von 6 – 14 Jahren
23 Jugendliche im Alter von 14 – 18 Jahren
81 Erwachsene im Alter von 18 – 41 Jahren
24 Erwachsene im Alter von 41 – 61 Jahren
11 Erwachsene über 61 Jahre
Meine SchülerInnen kommen aus der ganzen Welt, ich habe mehrere Schüler aus Viet Nam, genau so, wie Schüler aus Südamerika oder Afrika und – natürlich – aus Bayern (und Deutschland). Kinder und Erwachsene aus Kriegsgebieten, die nur allmählich wieder ein Lächeln hervorbringen können, genauso wie Schüler, deren Eltern es einfach für „chic“ halten, ihre Kinder bei mir unterzubringen. Deine Angst sei Dir also unbenommen: Alle – unabhängig vom Alter – fühlen sich alle „sauwohl“ bei mir (sie kommen freiwillig und bezahlen sogar dafür)!
Egal ob Ausländer (ich bin einer von ihnen) oder als „Eingeborene“ (ich bin einer von ihnen): Sie wissen, dass ich das, was ich unterrichte, vorlebe (und auch erlebt habe).
… dann hätte ich eine objektivere Sichtweise der Vorgänge von Dir erwartet und eine etwas umfassendere Information direkt vor Ort bei der Bundeswehr oder im deutschen Bundetag. (Mit der "richtigen" Ansprache bekommst Du sogar einen Termin bei einem Fraktionssprecher oder bei einem Ausschuss-Mitglied.)
Nun, die sogenannte „objektivere“ Sichtweise: Bei einer offenen Podiumsdiskussion in unserer kleinen Bezirkshauptstadt hatte ich 1999 das zweifelhafte Vergnügen, mich mit dem Bundestagsabgeordneten Horst K. auseinanderzusetzen. Für mich das allerletzte Argument von Horst (wir kannten und duzten uns schon länger) war: „Ja [joungster], wenn ich bei der Abstimmung im Bundestag das gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich dagegen gestimmt“ (gegen den Überfall auf Jugoslawien).
Waren es die zu tötenden Menschen nicht wert, dass man sich
vorher genau informierte?
Heute, 2009, gibt ein Bundestagabgeordneter der SPD in – für Politiker – seltener Ehrlichkeit zu, dass man mit Kosovo einer Maffia einen eigenen Staat herbei gebombt hat.
Einer meiner Schüler, Dr. Harald V., ehemaliger Berufssoldat und in Afghanistan eingesetzt, beurteilte mir gegenüber den militärischen Einsatz dort ähnlich kritisch wie ich.
Und gerade Du solltest doch wissen - als Pädagoge -, dass man erst beide Standpunkte vernommen haben muss, um sich eine abschließende Meinung zu bilden.
Sicher, vor Gericht werden sowohl Opfer wie Täter gehört. Meine Sympathie, Empathie und mein Mitgefühl gilt den Opfern.
Dein liebenswürdiges Icon „Depp“ betrachte ich übrigens als folkloristisches Anhängsel von Jemandem, der nicht in der Lage ist, Beleidigungen verbal „neutral“ zu verpacken.
… Du solltest vielleicht einmal die Nase aus den Büchern und einschlägiger Literatur hochnehmen und Dir ein Bild vom "wirklichen" Leben machen. Sprich mit den Soldaten, mach Betroffene zu Beteiligten, statt über Sie herzufallen. …
Ich will Dir hier auf bayerisch (aiso so richtig krochat) antworten: „Do, wo i scho higschissn hob, muast du erstamoi hiriacha!“ (in meiner Muttersprache würdest Du es noch weniger verstehen, und bayerisch, so schwer ich es damit – immer noch – habe, ist unheimlich klar in der Aussage).
… mir missfallen Deine "hinkenden" Vergleiche mit dem Hitler Krieg und der ethnischen Auseiandersetzung in Jugoslawien.
Es liegt an Dir, sowohl mir, als auch dem Forum, die Unterschiede in der militärisch-wirtschaftlichen Stoßrichtung zu erklären. Du bist doch dazu in der Lage?!
Und zu unterstellen, dass unsere Bundeswehr in Afghanistan foltert, Töchter und Frauen vergewaltigt, …
Nachdem Du ein wirklich netter und liebenswerter Diskussionspartner zu sein scheinst, kann ich diesen – strafrechtlich relevanten – Vorwurf nur Deinem Unvermögen im Umgang mit der deutschen Sprache (entschuldige, wenn ich falsch liege: Deutsch war erst meine dritte Sprache!) anlasten; sonst wäre er (der Vorwurf, wohlgemerkt) gemein und böswillig!
Also bitte: Die betreffenden Passagen noch einmal durchlesen; eventuell erklären lassen.
womo2006 schrieb:
In den Zitaten (bzw. Teilen davon), die Du mir zuschreibst, wird mir doch ein bisschen zu viel Ehre zuteil: Sie stammen von Albert Einstein; einer der wirklich großen Geister des letzten Jahrhunderts. Er musste aus Europa fliehen, um nicht den Weg der sechs Millionen (anderen) Juden zu gehen. Dir zuliebe – auch Du bist schließlich ein Diskussionspartner, der mit profundem Wissen aufwarten kann – das von mir Geschriebene:
joungster schrieb:
…In meiner Ablehnung von Militär gehe ich – abgesehen von persönlichen Erfahrungen auch im Kampf gegen die Terroristen der freien Völkergemeinheit – mit Albert Einstein (in Deutschland nicht sehr bekannter, geschweige denn geschätzter Wissenschaftler) konform:
"Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann verachte ich ihn schon; er hat sein großes Gehirn nur aus einem Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen.
Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen !
Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord."
Selbstverständlich könnten wir jetzt über Sinn oder Unsinn des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan (weiter) diskutieren …