Nun finde auch ich mal wieder 10 Minuten Zeit!

Ich werde versuchen, alle angesprochenen Punkte nochmals aufzugreifen, beginnen wir bei Dir, Konradin:
Ich bezog mich ganz klar auf da Kiffen und nicht auf THC-Präparate. Ein damaliger Freund von mir bekam gegen seine Migräne Marihuana. Andere Präparate versagten, das Rauchen von M. jedoch brachte den gewünschten Erfolg.
Zu allererst sollte ich vielleicht nochmal klarstellen, wie meine Kommentare konkret orientiert sind…denn ich weiß nicht, ob das nicht aus meinen Posts hervorsticht oder ob Du nicht aufmerksam mitgelesen hast (nichts für ungut

).
1. Ein kritischer Punkt, welchen ich näher beleuchten wollte, war das grundlegende Thema „körperliche Abhängigkeit“, welcher von Kiffern grundsätzlich gerne als wissenschaftlich falsifiziert dargestellt wird (oder vielleicht vielmehr aus der Überzeugung heraus, dass man dies als langjähriger Kiffer ja wohl bestens beurteilen könne). Wenn ich diesen Punkt isoliert betrachte, so ist die Antwort auf die Frage nach einer körlperlichen Abhängigkeit im Rahmen klinischer Definitionen definitiv mit JA zu beantworten, aber ich gehe später nochmals darauf ein.
2. Ein weiterer, in meinen Augen kritischer Punkt ist bei der Frage nach einer Legalisierung die Unterscheidung zwischen dem Stammtischkiffen und dem Verkauf medizinischer Präparate, sprich: Die Differenzierung zwischen einer Legalisierung von Marijuana (ähnliche Verfügbarkeit wie in der Schweiz bis vor ein paar Jahren oder in Holland) und einer Legalisierung von THC für medizinische Präparate! Während (wie ich schon oben recht ausführlich dargelegt habe) die Nutzung im medizinischen und auch im industriellen Sektor (Stoffe etc.) definitiv positive Seiten hat, so hat das Kiffen an sich in Anbetracht der Erkenntnisse über einen Zusammenhang mit Schizophrenie, geistlichem Verfall (ja, klingt hart

, siehe Studienliste unten!) und köperlicher Abhängigkeit + Schädigung keinen mir ersichtlichen Vorteil, außer das nette „halt mal einen rauchen“, was kein ausreichendes Argument für eine Legalisierung darstellt. Und daher allem voran an Dich gerichtet Konradin: Wenn ich diese Unterscheidung treffe und medizinische Präparate verfügbar gemacht werden (was ich ausdrücklich gut heiße), dann verfällt Dein ProArgument einer Substanz-Legalisierung.
Ebenso habe ich im Laufe der Jahre viele Menschen kennengelernt, die bei entsprechenden Gelegenheiten ein- bis zwei Züge eines Joints zu sich nahmen. Von 'Volldröhnen' kann bei diesen Mengen keine Rede sein.
Auch wenn das so ganz romantisch klingt, sei mir nicht böse wenn ich dieses Argument ad acta lege, denn aus meiner Erfahrung sind das vielleicht 0,5 % der Leute (konkrete Statistiken liegen noch nicht vor, folgen aber in den nächsten Monaten). Da das Kiffen weder ein großartig gustatorisches Ereignis ist (schlimmer als normales Rauchen), noch sonst irgendeinen anderweitigen Zweck als die psychogenen Wirkungen erfüllt, sind diese Leute, wenn sie denn tatsächlich nur ein zwei mal im Monat nen Zug nehmen, überwiegend Mitläufer (wieder sorry, aber das ist meine Erfahrung

), die halt einfach mal mitmachen, aber eigentlich nicht wirklich Kiffen wollen. Und auch hier: Nur weil einer von 200 Kiffern nur mal ein zwei Züge nimmt, so ist es für mich noch kein Argument auf der Vorteilsseite der Legalisierung von Marijuana.
Nun zu Kanone64

:
schmodder hat noch nie THC konsumiert, das geht ja wohl aus seinen Aussagen hervor.
Nur weil ich kein Befürworter bin? Zu Deinem und auch zu meinem Pech hast Du leider unrecht.
Würden wir in einem Land, in dem es kein Cannabis, gibt eine Umfrage starten, würden die häufigsten Menschlichen Gebrechen so lauten.
Es geht nicht um etwaig auftretende Gebrechen, sondern um typische Entzugserscheinungen bei Aufhörern.
Es ist zu einfach, hier ein Paar Volkskrankheiten auf Cannabis zu schieben.
Hier wurden einige Kiffer untersucht und das Ergebnis wurde auf aufs kiffen geschoben. Woher kann man wissen ob diese Symptome nicht schon Vorher bestanden haben? Oder sollte nicht auch untersucht werden, ob es nicht gerade in der Zielgruppe der Cannabiskonsumenten, schon vorher häufiger aufgetreten ist?
Bei der Gestaltung wissenschaftlicher Studien berücksichtigt man exakt solche Faktoren. Und ich muss es nochmals anmerken: Mal abgesehen von mittlerweile einer ganzen Menge wirklich guter Studien zum Gras habe auch ich mit vielen hundert Kiffern zu tun, und die genannten Symptome sind die REGEL!
Es wäre mal interessant, eine Gegenüberstellung zu machen, die ein pro und contra dieser Legalisierung enthält.
Ich bin bei dieser Thematik penetrant, ich weiß, aber ich möchte nochmals darum bitten: Nennt mir die Vorteile einer grundlegenden Legalisierung von Marijuana, vorausgesetzt dass medizinische Präparate vermehrt untersucht, verschrieben und vergeben werden!! Nur die Vorteile des Kiffens!!
So, der nächste
Diese Definition ist in der Tat, auch wenn sie die richtige sein mag, abweichend von der allg. verbreiteten.
Ja das weiß ich, hier liegt wahrscheinlich auch das Problem begraben. Körperliche Abhängigkeiten sind immer schlimm und haben meistens Spätfolgen, aber der Otto-Normalverbraucher kennt leider nur den Heroinsüchtigen Leonardo Di Caprio aus den Straßen von SF (übrigens sehr gut gespielt

), was nur die Randgruppe der Erscheinungsbilder darstellt.
Die hier aufgeführten Symptome sind auch soweit plausibel und/oder mir von langjährigen Kiffern bekannt. Allerdings nur von wirklich langjährig ..
Ja das stimmt soweit, deswegen hatte ich auch explizit regelmäßige Kiffer gemeint!

Und sofern bei einer Diskussion das Argument „Cannabis macht NICHT körperlich abhängig“ aufkommt, muss man sich nunmal damit auseinandersetzen, oder?
Also macht das Konsumieren von Cannabis nicht direkt körperlich abhängig, sondern es tritt nach anhaltendem, häufigen Konsum eine körperliche Abhängigkeit auf.
Klar, erst der Konsum verursacht die Abhängigkeit. Manchmal schnell (Beispiel: Methamphetamin(Chrystal)), manchmal langsam (Beispiel: Analgetika). Bei Cannabis durchaus erst bei chronischem Gebrauch.
Insgesamt schöner informativer Post schmodder und insgesamt eine schöne und interessante Diskussion
Danke
So, und nun noch muesli:

Nen' bischen viel der (sehr variablen *g*) Spekulation bzw. auch des Glaubens, findest Du nicht selbst?
Ähm,…wenn Du so fragst…nein.
[ Einschub]Obwohl eine Beeinflussung des Cannabinoidsystem wie auch anderer körpereigenen Systeme wie z.B. der Endorphine bisher keineswegs völlig zufriedenstellend geklärt bzw. erforscht wurden.
Da hast Du durchaus recht! Gleiches gilt für einen Großteil psychopharmakologischer Substanzen. Was jedoch nichts daran ändert, dass bestimmte Funktionen in der Vergangenheit durchaus reliabel erkannt wurden und als wichtig einzustufen sind. Und ein Rumgepfusche im Neurotransmittersystem ohne driftigen Grund (Krankheit) ist NIE gut (salopp gesagt). Heißt im Klartext: Das man noch nicht alles über das Cannabinoidsystem weiß heißt sicherlich nicht, dass man draufloskiffen sollte, was das Zeug hält^^ Es liegen genügend Studien vor, die darauf hindeuten, dass es keineswegs vorteilhaft ist^^
Deinen daraus dann aber abgeleiteten (teils persönlich gefärbten) Konsequenzen kann ich zumindest solange nicht folgen, wie Du hierbei zur Rechtfertigung sogar kulturelle Aspekte sowie langjährig nicht Geklärtes in unserem Rechtssystem mit einfließen lässt
Bin mir nicht ganz im Klaren darüber, auf was Du Dich beziehst. Kultur wäre hierbei durchaus ein interessanter Aspekt, den ich jedoch bisher bewusst außer Acht gelassen habe.
Ein bischen "Suff" (sorry *bg*) darf dann also schon mal sein, während eine (rel. kleine) Blockierung des Immunsystem bzw. anderer Rezeptoren durch pflanzliche (und auch heimische) Wirkstoffe hier gleich zum Sündenfall wird
Nope, da hast Du mich falsch verstanden (bzw. ich mich falsch ausgedrückt

). Ich wollte nur klarstellen, dass ich weit davon entfernt bin, ein Moralapostel zu sein. Jedoch ist ein einzelner Suff im kritischen Fall nicht so drastisch wie das Kiffen.
Und auch Dein Unglaube, dass Aufklärung und Prävention nicht wesentlich dazu beitragen können, den Missbrauch aller diverser Drogen und damit z.B. auch die Abhängigkeit von diversen Süchten zu vermeiden , stimmt mich dazu eher traurig.
Auch hier würde ich Dich bitte, das weiter auszuführen. Natürlich ist das nur meine persönliche Meinung, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Das einfachste Beispiel für eine legal verfügbare „Substanz“, bei der die Suchtprävention schon ab den Kinderbeinen präsent sein sollte, sind Zigaretten. Und man merkt ja, wie gut das funktioniert. Auch mit schwarzweißen Bannern, die mehr als die Hälfte der Packung einnehmen. Und ja, das ist traurig.
Hieße dies doch in letzter Konsequenz, den Menschen als an sich unmündiges Wesen zu begreifen, der nur unter Aufsicht prädestinierter (Über-)Wesen funktionsgerecht zu existieren befähigt wäre.
Ich weiß es klingt hart. Aber der Mensch ist ein Herdentier. Das wirst Du jedes Mal erleben, sobald eine Gruppe isoliert auf sich selbst angewiesen ist. Egal ob es sich um eine kleine Gruppe oder eine Gesellschaft handelt, für gewöhnlich wird recht schnell ein „Führer“ (und nicht falsch verstehen, das ist schlicht der richtige Begriff…im Englischen LEADER) auserkohren, der Rahmenbedingungen steckt und Regeln aufstellt. Geschieht das nicht, herrscht blankes Chaos. Und bitte nicht die 68´er Kommunen nennen…das ist was anderes. So, und mit dieser Äußerung habe ich mich warhscheinlich bei vielen ins Aus katapultiert^^
Auch eine Differenzierung in allgemein akzeptierte Drogen bzw. den speziellen Medikamentenmissbrauch würde uns hier in Hinsicht auf eine gesellschaftskritischere Diskussion über dies Thema wohl wesentlich weiter bringen.
Und nochmal: Ausführen. Bitte. Mach doch den Anfang
Hier ein paar Startleckerlis zum Lesen:
Intelligenz:
Arch Gen Psychiatry -- Abstract: Regional Brain Abnormalities Associated With Long-term Heavy Cannabis Use, June 2008, Ycel et al. 65 (6): 694
Current and former marijuana use: preliminary findings of a longitudinal study of effects on IQ in young adults -- Fried et al. 166 (7): 887 -- Canadian Medical Association Journal
Brain Neuroimaging in Cannabis Use: A Review -- Quickfall and Crockford 18 (3): 318 -- J Neuropsychiatry Clin Neurosci
Repeated cannabinoid exposure during perinatal, adolescent or early adult ages produces similar longlasting deficits in object recognition and reduced social interaction in rats ? J Psychopharmacol
Tgliches Marihuana-Rauchen lsst das Gehirn schrumpfen (Wissenschaft, NZZ Online)
Sucht:
Arch Gen Psychiatry -- Abstract: Marijuana Abstinence Effects in Marijuana Smokers Maintained in Their Home Environment, October 2001, Budney et al. 58 (10): 917
Kognition, Reaktion, Psychosen u.a.
Opposing actions of chronic ?9-tetrahydrocannabinol and cannabinoid antagonists on hippocampal long-term potentiation ? Learning & Memory
Long-term effects of cannabis on oculomotor function in humans ? J Psychopharmacol
Marijuana use is associated with a reorganized visual-attention network and cerebellar hypoactivation ? Brain
Latendte Psychosen durch Kiffen Konsum von Cannabis ein Rausch kann schon Reichen
Cannabis use, cognitive performance and mood in a sample of workers ? J Psychopharmacol
Das Rätsel Schizophrenie - Google Bücher
Meine Meinung zur Kriminalisierung:
Klar, da habt ihr sicherlich recht. Einen Kiffer auf eine Ebene mit Heroindealer zu stellen (was bei Leuten, die desinformiert sind, immer wieder der Fall ist) ist definitiv ein großes Problem und muss sicherlich diskutiert werden!! Eine Legalisierung befürworte ich nicht, aber eine Lockerung der Gesetze bezüglich der Strafen für Eigenkonsumenten ist dringend nötig!