Die Giraffe
Die Giraffe soll angeblich vom Okapi oder einem okapiähnlichen postulierten Vorfahren abstammen. Abgesehen davon, dass das Okapi eher einem Zebra sehr ähnlich sieht, ist der auffälligste Unterschied der lange Hals, den die rezenten Giraffen besitzen. Es scheint zunächst leicht vorstellbar, dass Giraffendimensionen schrittweise erreichbar sind. Ganz im Sinne der additiven Typogenese könnten kleine Veränderungen der Halslänge und der Körperproportionen zu einer immer besseren Anpassung und somit einen deutlichen Selektionsvorteil geführt haben. Woran angepasst wurde ist unklar, sowohl die Hypothesen des Nahrungsvorteils, als auch „sexual selection“ stehen vor gewichtigen Einwänden, was hier jedoch nicht Thema ist. Fakt ist jedoch, dass Giraffendimensionen nicht durch bloße Veränderungen der Proportionen erreicht werden können, vielmehr sind neue Einrichtungen erforderlich, etwa um den Blutdruck zu regeln oder um die Flüssigkeitsaufnahme zu gewährleisten.
Eckert (2002, [11]) schreibt dazu: „Die mit der Blutansammlung und der Aufrechterhaltung der Kapillardurchblutung verbundenen Probleme sind besonders auffällig bei Tieren mit langen Hälsen. Steht beispielsweise eine Giraffe mit erhobenen Kopf, dann ist ihr Gehirn etwa 6 Meter über dem Boden und mehr als 2 Meter über dem Herzen. (...) Senkt die Giraffe ihren Kopf zum Boden, muß der arterielle Druck auf Höhe des Herzens beträchtlich reduziert werden, um die Durchblutung des Gehirns einigermaßen Konstant zu halten.“ (S.557) Weiter auf S.558: „Wären keine entsprechenden Kontrollmechanismen vorhanden, würde die Giraffe ihren Kopf senken, um zu trinken, und dann – sobald sie den Kopf hebt – durch die gesteigerte Nierentätigkeit die gesamte aufgenommene Flüssigkeit wieder verlieren.“
Die majestätische Höhe einer Giraffe bringt also viele konstruktive Probleme mit sich – das waren keineswegs alle -, natürlich bedürfen diese einer Lösung bevor überhaupt an eine wesentliche Verlängerung des Halses und des restlichen Körpers zu denken ist. Ansonsten würden die postulierten Selektionsvorteile, die aus dem Höhenzuwachs entstehen sollen, schnell durch erhebliche Selektionsnachteile abgelöst, die aus (mit der Körpergröße) zunehmenden Kreislaufschwächen resultieren. Hier die markantesten Merkmale, welche für eine lebensfähige Giraffe unabdingbar sind:
+spezielle Klappen in der Jugularvene, die verhindern, dass das Blut ins Gehirn schießt (z.b. beim Trinken) [5]
+ein spezielles Gefäßsystem (Wundernetz) zur Blutdruckregulierung
+Wirbel in kugelgelenkähnlicher Anordnung
+Jugularvene und Halsvene durch strapazierfähiges elastisches Gewebe verstärkt
Und schon liegt das gleiche Problem vor wie oben:
Ein einzelnes Merkmal ermöglicht keine Halsverlängerung - erst alle Merkmale gemeinsam ermöglichen die phantastischen Dimensionen der Giraffe.
Welche Vorteile hätten erste Mutationen gebracht, z.B. bei den Klappen in der Jugularvene? Welchen Nutzen hätten diese ohne Wundernetz?
Ist es vorstellbar, dass sich alle Merkmale gleichzeitig entwickelten? Dann gilt es zu bedenken, dass dies die gleichzeitige, unabhängige Neubildung von Strukturen durch zufällig auftretende Mutationen bedeuten würde. Und das alles ohne Selektionsvorteil, sofern man keine schlagartige Evolution innerhalb einer oder weniger Generationen postuliert.
quelle:
gererk